Eigentlich ging sie nicht mehr auf Trödelmärkte. Ja, früher, als sie noch viel jünger war, hatte ihr das einmal Spaß gemacht. Heute aber war sie mitten in dem Treiben, ihrer Enkeltochter zuliebe, die so gerne in den vielen, zur Schau gestellten Dingen stöberte. Der mitgeführte Beutel war inzwischen randvoll mit Erstandenem. „Biechen, jetzt ist es aber genug. Außerdem ist hier auch gleich Schluss.“ Während sie das sagte und dabei das Kind an der Hand fasste, hatte sie das Gefühl, als würde sie festgehalten. Ihr Blick fiel auf ein Ölgemälde. Es zeigte eine Blumenwiese, über die ein Schmetterling schwebte. Seltsam. Sie konnte die Augen von dem Bild nicht wenden! Die Darstellung war so realistisch, als befände sie sich mitten auf dieser Wiese. Ihr war, als strich sanft Wind über ihre Haut und ihr Haar und als käme von irgendwo her leise eine wunderbare Musik, die direkt in ihr Herz strömte und es ruhig machte. „Nun komme schon, Omi.“ Die kleine Hand in ihrer großen Hand zog. „Warte Liebes, warte!“, flüsterte sie, als fürchtete sie, einen Zauber zu zerstören. Der Mann, zu dem der Stand gehörte, war bereits beim Packen. Nun näherte er sich mit einer großen Decke dem Gemälde. „Nein, nein, nicht!“ Der Händler drehte sich erstaunt nach ihr um. „Was, nicht?“ „Nicht einpacken!“ Sie flüsterte immer noch. „Omi, ist etwas mit deiner Stimme?“ Sie schüttelte mit dem Kopf. „Wie viel?“, wandte sie sich an den Mann? „Für diesen Schinken?“ Er konnte es nicht glauben, dass sie sich für das Bild interessierte. Er schleppte es seit Wochen schon von einem Markt zum anderen. „Weil Endzeit ist. 20 Euro.“ Daheim brauchte sie lange, um für das Gemälde einen Platz zu finden. Endlich entschied sie sich, es so aufzuhängen, dass sie es aus ihrem Bett im Blickfeld hatte. Sie freute sich über den Neuerwerb wie selten zuvor über eine andere Sache. Dann lag sie in ihrem Bett, und ihre Augen tauchten in das Meer aus Blumen. Sie meinte, dass ihm ein wunderbare Duft entströmte. Je dunkler es in dem Raum wurde, um so mehr begannen die Farben zu leuchten. Und da war auch wieder diese leise Musik. Mit einem Lächeln auf den Lippen war sie eingeschlafen.
Liebe Jutta, es gibt diese Momente, die einem den Atem stehen lassen, als würden sie auf sich aufmerksam machen. Wundervoll hast du diesen Moment in Worten gekleidet.
#3 | RE: Das Bild24.08.2016 14:37 (zuletzt bearbeitet: 26.08.2016 19:28)
Stiekel
(
gelöscht
)
Liebe Jutta,
ich kann nachempfinden, was du uns da erzählst. Auch ich verliebte mich vor Jahren in ein Bild. Es zeigte ein kleines Mädchen, das die Lippe vorschob, als wolle es gleich losweinen. Es sollte einige hundert Mark kosten. Jedoch war es für mich fast unerschwinglich, denn zu jener Zeit mussten wir den Groschen zweimal umdrehen. Deshalb ging ich schweren Herzens nach Hause. Mein Mann sah mein trauriges Gesicht und hatte plötzlich noch etwas Wichtiges zu erledigen. Sicher kannst du dir denken, was es war. Heute noch hängt dieses Bild in meinem Büro.
Bilder genauso wie Musik, sprechen unser Innerstes an. Sie können zaubern. Aber nicht für alle, nur einer der bestimmt ist kann so sehen und hören. Eine sehr schöne Geschichte. Danke.
Liebe Jutta Deine Geschichte ist sehr schön Ich ging auch immer gerne auf Flohmärkte aber heute gibt es immer mehr Stände mit Neuwaren, schade. Liebe Grüße von Greta
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